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Nationalismus

Nationalismus = übersteigertes Nationalbewusstsein
(Quelle: Wahrig Deutsche Rechtschreibung)

Nationalismus = übertriebenes Nationalbewusstsein
(Quelle: Duden - Die deutsche Rechtschreibung 23. Auflage)

Dieses Stichwort kann nicht nicht in wenigen Worten oder Sätzen beschrieben werden. Es wurden deshalb beispielhaft drei Quellen zitiert.


Nation und Nationalismus

Der Nationalismus blieb im 20. Jahrhundert ein geschichtsmächtiger Faktor. Die Befreiungsbewegungen in Afrika und Asien beriefen sich auf ihre nationalen Traditionen, um von den Kolonialherren gezogene Grenzen in Frage zu stellen und die Unabhängigkeit zu erlangen. Als vor 15 Jahren der Zwangskordon aus Satellitenstaaten und schließlich die Sowjetunion zusammenbrachen, waren nationale Symbole allgegenwärtig. Die Idee der freien Nation wurde zum Motor der Neugestaltung Mittel- und Osteuropas.

Wann schlägt Patriotismus in antidemokratischen Nationalismus um? Die Balkankriege der Neunzigerjahre waren grausame Belege dafür, wie rasch der Lack der demokratischen Zivilisation durch nationalistische Strömungen hinweggefegt werden kann. Bringt der Nationalstaat im Zeitalter der Globalisierung und massenhafter Migration ausreichend Integrationskraft auf, um die Stabilität von Gesellschaften zu gewährleisten? Was an die Stelle national organisierter Staaten treten wird, ist offen. Es kommt darauf an, nationale Traditionen für die Weiterentwicklung der globalen Demokratie nutzbar zu machen.

Quelle und ausführliche weitere Informationen:


Nationalismus

Weltanschauung oder Ideologie, die die Nation oder den Nationalstaat in den Mittelpunkt stellt; besonders nach der Französischen Revolution ausgebildet. Der Nationalismus legitimiert sich häufig durch Berufung auf ein Sendungsbewusstsein, mit dem eine Nation ihre Selbsteinschätzung hebt. Häufig bedient der Nationalismus sich auch übernationaler völkischer Ideologien (z. B. im Panslawismus). Gewisse Nationen erscheinen dann als Vorkämpfer ganzer Rassen oder Kontinente. Im Nationalsozialismus verband der Nationalismus sich mit einem übersteigerten volksgeschichtlichen Denken und einem scheinbiologischen Rassenbegriff.

Der Nationalismus hat zwar das nationalstaatliche Europa des 19. und der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts aufgebaut, andererseits führte die zu einseitige und rücksichtslose Verfechtung nationalegoistischer Interessen zur Missachtung der Lebensrechte und Lebenskräfte anderer Völker. Die Erfahrungen zweier Weltkriege führten in Westeuropa zu dem Bestreben nach politischer Vereinheitlichung durch nationalen Interessenausgleich als Voraussetzung für den Abbau nationalistischer Zielsetzungen (z. B. durch die EG). Die politischen Umwälzungen in Osteuropa seit 1989 führten dort zu einer Neubelebung des Nationalismus.

Ein Problem besonderer Art bildet heute der Nationalismus in den Entwicklungsländern, wo ehemalige Kolonialbereiche aufgrund ethnischer Verschiedenheiten der Bewohner und geographischer Unterschiede einzelner Landesteile zerfallen und überspitzte nationale Gegensätze wirksam werden können.

Quelle: wissen.de


Nationalismus

Nationalismus, zum Teil neutral, meist eher kritisch bis abwertend verwendete Bezeichnung für auf die Interessen der eigenen Nation fixierten, teilweise auch zur Militanz neigenden Ideologien. Nationalistische Ideologien sind darauf ausgerichtet, den als etwas Besonderes empfundenen Nationalcharakter zu bewahren, zu stärken und gegen andere abzugrenzen. Diese auf Festigung der inneren Einheit gerichtete Abgrenzung nach außen richtet sich dabei auch gegen Minderheiten im eigenen Land. Nationalistische Ideologien können eine je nach historischen, politischen und sozioökonomischen Hintergründen unterschiedliche Ausprägung annehmen. In der politikwissenschaftlichen Forschung unterscheidet man etwa u. a. zwischen kulturellem, politischem, ökonomischem und religiösem Nationalismus.

Allen Nationalismen ist eine übersteigerte Wertschätzung der eigenen Nation und das Empfinden der eigenen Besonderheit als Überlegenheit gegenüber anderen Völkern oder nationalen Minderheiten sowie ein Sendungsbewusstsein gemeinsam. Dabei wird in wirtschaftlichen und territorialen Fragen (häufig offen rassistisch) für die eigenen Interessen ein Rechtsvorrang behauptet. Im Chauvinismus wird das nationale Eigeninteresse häufig zum alleinigen, obersten Maßstab für die Politik.

Die Entstehung des Nationalismus hängt eng zusammen mit der Herausbildung der Nationalstaaten. Wesentliche Impulse für die Entwicklung nationalistisch orientierter Grundhaltungen gingen von der Französischen Revolution aus, deren Kampflied, die spätere französische Nationalhymne, mit den für die neue, auch emotionale Bedeutung der Nation - des Vaterlandes - kennzeichnenden Worten beginnt: "Allons enfants de la patrie" (Marschieren wir los, Kinder des Vaterlandes).

Die Idee der Nation war zugleich verbunden mit der Idee der Souveränität, der Grundlage des Nationalstaatsprinzips. Erst die Ausbildung der modernen Nation ließ ein sozialintegratives, auch ideologiefähiges Bewusstsein der Zugehörigkeit zu der im Staat organisierten sozialen Großgruppe entstehen. Im 19. Jahrhundert suchten nationalistische Bewegungen u. a. in Deutschland, Griechenland, Italien und Ungarn, auf der Grundlage der historischen, sprachlichen und kulturellen Verbundenheit eine auch politische, auf einen souveränen Nationalstaat gerichtete, nationale Identität zu stiften. In bestehenden Nationalstaaten wurde der zunehmende Nationalismus bewusst sowohl zur Festigung der nationalen Einheit als auch zur Durchsetzung von Macht- und Territorialinteressen eingesetzt. In der schärfer werdenden Konkurrenz zwischen den europäischen Staaten um Rohstoffressourcen und Absatzmärkte wurde der Nationalismus zum Ausgangspunkt kolonialistischen und imperialistischen Vormachtstrebens.

Ihren Höhepunkt erreichte diese Entwicklung im 1. Weltkrieg. Die sich danach in Italien und Deutschland entwickelnden Extremformen des Nationalismus, der Faschismus und der Nationalsozialismus, sowie die von ihnen errichteten totalitären Diktaturen waren gekennzeichnet von einer schrankenlosen Aggressivität nach außen, die sich u. a. in rücksichtslosen Angriffskriegen manifestierte.

Erneut zum Problem wurde der militante Nationalismus im Europa der neunziger Jahre mit dem Aufbrechen des Ostblocks und den revolutionären Umwälzungen in den Staaten des früheren Warschauer Paktes sowie ganz besonders auf dem Balkan nach dem Auseinanderbrechen Jugoslawiens.

In Afrika, Asien und Ozeanien wirkte der sich im Zuge der Entkolonialisierung entfaltende Nationalismus sozialintegrativ und trug zur inneren Stabilisierung ebenso bei wie zur Überwindung der Abhängigkeit von den früheren Kolonialherren. Enorme militärische Kraft entfaltete dieser neue Nationalismus u. a. im Indochina- und im Vietnamkrieg durch sozialrevolutionäre Guerillabewegungen.

Eine erhebliche Bedrohung für den Frieden im arabischen Raum geht weiterhin von dem religiösen Nationalismus der islamischen   Fundamentalisten aus.

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