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Der Laizismus ist das Bestreben, den Einfluss von Kirche und Religion auf das öffentliche Leben einzuschränken oder auszuschalten.
Der Laizismus (französisch laicisme), ist eine im 19. Jahrhundert sich vor allem in Belgien und Frankreich entwickelnde antiklerikale bzw. antireligiöse Weltanschauung, die nicht nur die konsequente Trennung von Kirche und Staat einklagte, sondern zudem postulierte, moralische Entscheidungen autonom und nicht an religiöse Werte gebunden zu diskutieren. Vor allem die römisch-katholische Kirche reagierte darauf mit heftigen Angriffen.
1864 wurde der Laizismus von Pius XI. als eine "Pest, die die Menschheit infiziert" habe verurteilt. Indessen aber hatten laizistische Tendenzen in Frankreich Eingang in die politische Diskussion gefunden. 1879 nahm die radikale Partei den Laizismus in ihr Programm auf, 1886 erreichte der Unterrichtsminister Jules Ferry die Einrichtung öffentlicher Schulen ohne Beteiligung der katholischen Kirche; die Erziehung der Jugend sollte zu einer öffentlichen Angelegenheit gemacht werden, und nicht einer einzigen (und noch dazu religiösen) Institution überlassen werden. 1905 schließlich kam es zur verfassungsmäßig verankerten Trennung von Kirche und Staat. Besonders im Zuge der Dreyfus-Affäre verlor der antiklerikale und antireligiöse Aspekt des Laizismus an Bedeutung. Dieser Wandel drückte sich auch in einer Umwandlung des Begriffes (laicisme zu laicité) aus, der die verfassungsmässig garantierte Zusage betonte, dass das religiöse Bekenntnis und seine Ausübung die Privatsache jedes einzelnen Bürgers seien. Die Verfassungen von 1946 und 1958 verankerten diese Definition der laicité, die auch von der Kirche in Frankreich geteilt wird.
Eine der heftigsten Reaktionen auf den Laizismus innerhalb der katholischen Kirche war der so genannte Integralismus, der für eine völlige Katholisierung aller Lebensbereiche eintrat. In Deutschland etwa bekämpfte diese extrem konservative Glaubensauffassung sogar die traditonell katholisch geprägte Zentrumspartei und die christlichen Gewerkschaften. Auch kam es ohne das Wissen des Papstes zur Bildung eines Geheimbundes, der die restlose Klerikalisierung aller privaten und gesellschaftlichen Bereiche anstrebte. Der katholische Moraltheologe und prominente Vertreter der katholischen Soziallehre, Oswald von Nell-Breuning, nannte den Integralismus daher einen "Klerikalismus aus hilfloser Angst vor Laizismus". Innerhalb des Christentums hat die Diskussion um den Laizismus angesichts der fortschreitenden Auflösung religiöser Bindungen weitgehend an Bedeutung verloren; in Fragen einer Tolerierung anderer Religionen indes wird er immer wieder ins Feld geführt.
Mustafa Kemal Atatürk, der Gründer der Republik Türkei und ihr erster Präsident von 1923 bis 1938, setzte in seinem Land die Säkularisierung beziehungsweise den Laizismus durch und ließ dies auch in der Verfassung verankern.
Quelle: MS Encharta
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