IBDA-C
Hintergrund: Terrorgruppe IBDA-C
- Die Selbstmordanschläge im November 2003 in Istanbul waren offenbar eine Gemeinschaftsaktion des Terrornetzwerks Al-Kaida und der radikalislamischen Front der Vorkämpfer für den Großen Islamischen Osten (IBDA-C). Beide Gruppen haben sich laut türkischen Medien dazu bekannt.
- Der IBDA-C soll auch einer der beiden Selbstmordatentäter angehört haben, die im November 2003 in Istanbul 23 Menschen mit in den Tod gerissen hatten. Die IBDA-C wurde 1984 als Alternative zu der damaligen islamischen Partei MSP von Ex-Ministerpräsident Necmettin Erbakan gegründet, die von den Islamisten als zu "passiv" kritisiert wurde. Der Kampf der Vorkämpfer für den Großen Islamischen Osten gilt der 1923 von Mustafa Kemal Atatürk gegründeten und von der Gruppe als "illegal" angesehenen türkischen Republik mit ihrem Grundsatz der Weltlichkeit. Dafür soll die IBDA-C sogar kurzfristige strategische Verbindungen mit den früheren Kurdenrebellen der PKK und mit der linksextremen Revolutionspartei DHKP-C eingegangen sein.
Netzwerk ohne feste Hierarchie
- Besonderes Kennzeichen der IBDA-C ist ihre Zersplitterung und eine fehlende Hierarchie. Zahlreiche autonome Untergruppen planen unabhängig voneinander ihre Aktionen; ihre Mitglieder ergreifen selbst die Initiative. Ziele der Anschläge sind meist
nicht-moslemische Bevölkerungsgruppen, Medien, Kneipen, Tabakläden und Banken sowie Statuen des Staatsgründers Atatürk.
- Die Mitglieder der IBDA-C sind wie der entmachtete irakische Staatschef Saddam Hussein sunnitische Moslems. Ihr 1998 festgenommener Anführer, "Kommandeur" Salih Izzet Erdis alias Salih Mirzabeyoglu, war Mitte der 70er Jahre aktives Mitglied der MSP-Jugendorganisation "Junge Kämpfer" gewesen. Im April 2002 wurde er wegen versuchtem gewaltsamen Staatsstreichs zum Tode verurteilt; diese Strafe wurde inzwischen in lebenslang umgewandelt. Nach den Anschlägen vom Samstag hatte ein Anrufer im Namen der Gruppe erklärt, der "Unterdrückung der Moslems" solle mit den Anschlägen ein Ende gesetzt werden. "Unsere Aktionen werden fortgesetzt."
- Quelle: tagesschau.de, 20.11.2003
Interessanter Artiel der WELT:
Erkenntnisse deutscher Verfassungsschutzbehörden zur IBDA-C: