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Die Aleviten [-'vi:-; "Anhänger Alis"]
sind die zweitgrößte Religionsgruppe in der Türkei. Sie entstanden im 13.-16. Jahrhundert in Anatolien aus der Verschmelzung schiitischer, altchristlicher und schamanitischer Elemente. Nach der alevitischen Lehre lebt Gott im Menschen; äußere, ritualisierte Glaubens- und Gesetzespflichten (wie in Scharia und Sunna dargelegt) sind daher unbedeutend; das religiöse Leben findet in Gemeinschaftsversammlungen (Cem) statt.
Quelle: wissen.de
Die Aleviten bilden in der Türkei nach den sunnitischen Muslimen die größte Religionsgruppe, mit ca. 25% der Bevölkerung.
Sie verfahren mit den religiösen Vorschriften liberal. So halten sie sich nicht an die Fünf Säulen, sehen im Koran kein verbalinspiriertes Buch, sondern interpretieren ihn mystisch. Im Zentrum steht der Mensch nicht als der sich unterwerfende Sklave Gottes, sondern als eigenverantwortliches Wesen.
Aleviten bekennen sich zu Humanität und Demokratie. Die Scharia, das islamische Gesetz, lehnen Aleviten ab. Das ist der wichtigste Unterschied zu den Sunniten. Aleviten kennen keine Pflichtgebete. Sie brauchen zum Beten keinen besonderen Raum und keine spezielle Zeit. Jede Alevitin und jeder Alevit betet dann und dort, wo er oder sie will auf eine Art, wie es ihm oder ihr entspricht. Der Koran ist für Aleviten kein Gesetzbuch, sondern die Niederschrift von Offenbarungen, die kritisch gelesen werden dürfen.
Zu anderen Religionen, Glaubensbekenntnissen und Ideologien haben Aleviten ein sehr offenes Verhältnis. Auf eine undogmatische Weise fühlen sie sich der Humanität verpflichtet. Die Menschenrechte im Allgemeinen sowie die Meinungs- und Religionsfreiheit im speziellen werden von ihnen ausdrücklich bejaht. Jedem Menschen wird ausdrücklich das Recht auf einen eigenen Glauben zugestanden.
Jedem Menschen wird das freie Selbstbestimmungsrecht zugestanden. Er kann beliebige Rituale pflegen oder darf sogar Atheist sein, sofern er seine eigenen Ansichten nicht anderen aufzwingen will. Die sozialen Normen wie das Verbot des Tötens, Diebstahl, Verleumdung und Ehebruch gelten für Aleviten gegenüber allen Menschen. Die Frage nach dem Tod und den Jenseitsvorstellungen ist für Aleviten nebensächlich. Das Verhältnis zum Mitmenschen ist wichtig.
Die Aleviten beten nicht in einer Moschee, sondern treffen sich zu Kulthandlungen in einem Cemevi (Versammlungshaus) zur Rezitation von Gedichten und zum rituellem Tanz (Semah), der von Frauen und Männer gleichzeitig ausgeführt wird. Dieser wird unter der Aufsicht des Dede ("Großvater") oder Ana ("Großmutter") durchgeführt. Dedes und Anas sind Personen, die sich mit den alevitischen Ritualen und Traditionen sehr gut auskennen und daher hohes Ansehen unter den Aleviten genießen. Die Verschleierung der Frau ist bei Aleviten nicht vorgeschrieben. In ihrer Lehre sind Frauen und Männer absolut gleichgestellt.
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Aleviten
Nach den sunnitischen Muslimen bilden die Aleviten die zahlenmäßig größte Religionsgemeinschaft, der jeder fünfte Bewohner der Türkei angehört. Die Aleviten bekennen sich zum Islam. Doch anders als die Sunniten beherzigen sie die "Fünf Säulen", die grundlegenden Glaubensvorschriften des Islam (Ablegung des Glaubensbekenntnisses; fünfmaliges Gebet am Tag; Abgabe eines bestimmten Vermögensanteils; Fasten im Monat Ramadan; Wallfahrt nach Mekka) nicht.
Den Koran legen die Aleviten nicht nach den Buchstaben aus, sondern deuten ihn mystisch. Der Mensch, der im Zentrum ihrer Frömmigkeit steht, soll nicht Sklave Gottes sein, sondern seine vollkommene Schöpfung; er soll autonom und selbstverantwortlich handeln.
Die Aleviten beten nicht in einer Moschee, sondern treffen sich zu kultischen Handlungen in einem Gemeindehaus (Cemevi), Männer und Frauen nehmen daran gleichberechtigt teil. Kultelemente sind religiös inspirierte Gedichte und rituelle Tänze. Das Alevitentum ist das Ergebnis einer religionsgeschichtlichen Entwicklung, die christliche und gnostische Elemente aufgenommen hat. Am auffallendsten aber sind zugleich radikal schiitische Züge, die in der Vergöttlichung Alis gipfeln, des Vetters und Schwiegersohns des Propheten Mohammed. An die Stelle der Einheit Gottes setzen die Aleviten die Trinität Allah-Ali-Mohammed.
Das Alevitentum war im 13. Jahrhundert in Anatolien als Volksreligion der ländlichen Bevölkerung und der nomadisierenden Turkmenenstämme entstanden. Geprägt ist es von den Bruderschaften, die mit ihrer volkstümlichen Mystik den religiösen Grundbedürfnissen der einfachen Bevölkerung mehr entgegenkamen als der orthodoxe Islam mit seiner Gesetzestreue und Schriftgläubigkeit. Eng waren zunächst die religiösen und politischen Beziehungen zum mystischen Orden der iranischen Safawiden.
Nach der Niederlage des safawidischen Schahs Ismail gegen die Osmanen bei Caldiran im Jahre 1514 fand die Mehrheit der anatolischen Aleviten eine neue geistige Leitung im Orden des türkischen Mystikers Haci Bektas Veli, den Bektasis. Dieser Orden war im 13. Jahrhundert gegründet worden und hatte sich über ganz Anatolien ausgebreitet.
Wegen ihrer unorthodoxen Auslegung des Korans und ihrer religiösen Praktiken galten die Aleviten in der osmanischen Epoche als "Häretiker". Sie wurden an den Rand gedrängt, sogar verfolgt. Die Republik Türkei brachte den Aleviten Glaubensfreiheit und die Anerkennung als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger. Das erklärt, weshalb die Angehörigen der alevitischen Glaubensgemeinschaft politisch durchweg dem kemalistisch-laizistischen Lager zuzurechnen sind.
Aleviten leben über das ganze Land verteilt, doch liegen ihre Siedlungsschwerpunkte im Osten Zentralanatoliens. Die alevitischen Zuwanderer, die in den sechziger und siebziger Jahren in die Großstädte gezogen waren, haben den sozialen Aufstieg meist geschafft. Es entstand eine alevitische Mittelschicht, die Anwälte, Ingenieure, Unternehmer, Journalisten und ähnliche Berufe hervorbrachte. Ihnen fallen bei der Neuorganisation der Gemeinschaft heute Führungsaufgaben zu. Politisch bekennen sie sich überwiegend zur Sozialdemokratie und gemäßigten Linken. Auffallend ist aber zugleich der hohe Anteil von Aleviten in radikalen linken, teilweise militanten Organisationen.
Heute bekennen sich zahlreiche Aleviten öffentlich zu ihrer Identität und zu ihrem lange geheim gehaltenen Glauben. Konservative und nationalistische Aleviten behaupten, das Alevitentum habe den "wahren" Islam der Türkei geschaffen, ihr Islam entspreche den Eigenheiten der Türken mehr als die den Arabern entlehnte Orthodoxie. In den neunziger Jahren kam es zu mehreren gewalttätigen Ausschreitungen zwischen politisch Konservativen der extremistischen Sunniten auf der einen und Angehörigen der alevitischen Glaubensgemeinschaft auf der anderen Seite. Die Auseinandersetzung um die eigene Identität ist in vollem Gange.
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